Freitag, 14. September 2012

Backstage Club in Quecksilber gehüllt

Stahlmann, Quecksilbertour, München, Backstage Club
13.09.2012
Support: Maerzfeld

Was macht man an Tagen, an denen die Hirnwindungen nicht aufhören wollen zu rotieren, an denen jeder, der einem gegenübertritt und auch nur den Mund auf macht, auf den Senkel geht? Richtig: den Kopf frei pusten lassen …
Also spontan ins Backstage, Karten sind an der Abendkasse noch zu haben (puh), und rein ins Getümmel:
Der Club ist bereits gut gefüllt – nicht ganz so voll gequetscht wie bei den Deathstars (Deathstars – Greatest Hits on Earth-Tournee 2012), aber das ist auch ganz gut so, man bekommt Luft, hat ein wenig Platz und People Watching ist angesagt. 


Märzfeld, eine Band, deren Schaffen bis dato an mir und meinem Leben vorbeigezogen ist, stehen bereits auf der Bühne und ich staune nicht schlecht, als ich mir in den ersten Minuten eine erstes Bild machen kann: Physis und Habitus des Sängers erinnern doch sehr stark an Herrn Lindemann … so stark, dass ich mir zum Einen ein feistes Grinsen nicht verkneifen kann – wie ich feststelle –, und so stark, dass ich mir ernsthaft Gedanken mache, warum man so auf der Bühne agiert, wenn man den Anspruch hat – und den setze ich jetzt einfach mal voraus –, keine (reine) Rammstein-Coverband abzugeben, und die eigene Daseinsberechtigung nicht allein aus Tributegedanken eben dieser Band gegenüber existiert.
Sie holen das Publikum auf jeden Fall ab – mit dem einen Song mehr, mit dem anderen weniger – und liefern einen ordentlichen Auftritt ab. So richtig für die Bühne gemacht scheinen die Herren (die sich übrigens zu sechst auf der Minibühne kuscheln) nicht zu sein: Außer ihrem Frontmann wird wenig gepost (was auch nicht wirklich sein muss, und mitunter eher peinlich wirken kann) oder gar Enthusiasmus gezeigt – der richtige "wir leben unsere Musik"-Funke mag da nicht überspringen …

Vermutlich auch wegen der beengten Platzverhältnisse dauert der Umbau – gefühlt – recht lange. Wie das mittlerweile und in Zeiten des Rauchverbotes so Usus ist, setzt eine deutliche Völkerwanderung ein, aber (fast – ich habe das Gefühl, dass etwas mehr Platz ist) alle finden den Weg zurück.
Stahlmann – diesmal nur zu viert (bisher habe ich sie immer mit zwei Gitarristen gesehen) – entern die Bühne …
Was folgt, ist typisch Stahlmann: NDH (wie ich diese Kategorisierung hasse – aber sie passt) um die Ohren, viele kleine Geschichten, noch mehr Aufforderungen zum Mitmachen – klatschen, "hey" rufen, Spaß haben, hüpfen, … – (ein wenig zu viel für meinen Geschmack – haben sich Stahlmann doch bereits als Support von Mono Inc. als absolute Animateure erwiesen (Mono Inc. – viva hades tour, Cham), aber bei der eigenen Headliner-Tour tut dies doch nun wirklich nicht Not – vor allem nicht in diesem Ausmaß), und zwei neue Songs gibt es auf die Ohren.

Mit dem "Gesamteindruck" der Band kann ich mich aber immer noch nicht anfreunden. Gut, diesmal ein Musiker weniger auf der Bühne, aber der Gitarrist wirkt nach wie vor etwas steif und … irgendwie "freudlos", und der Drummer (den ich hier bei Stahlmann zum ersten Mal sehe – trommelt eigentlich bei Tanzwut, wie ich vernehmen darf) macht ein wenig den Eindruck eines kleinen Chorknaben – womit ich ihm vermutlich schwer Unrecht tue. Der Basser ist – genau wie Mart – dagegen voll bei der Sache!

Alles in Allem ein gelungener Abend,weil im Prinzip  genau das, was ich heute gebraucht habe!