Montag, 10. Dezember 2012

Böse Zwillinge shock-rocken München

Twins of Evil Tour 2012
Marilyn Manson & Rob Zombie
München, Zenith
9. Dezember 2012



Shock-Rocker … schon wieder so ein Label, eine Schublade – was auch immer uns, den potentiellen Rezipienten mitteilen soll: wer sich geschockt fühlen will, soll das bitte tun, alle anderen durften den Tournamen "Twins of Evil" gerne wörtlich nehmen, sich unterhalten lassen und einfach abfeiern!

Aber der Reihe nach: Es kommt doch höchst selten vor, dass die zuvor genannten Herren deutschen Landen einen Besuch abstatten, und noch viel seltener, dass ich es schaffe, eine Karte zu ergattern. Rob Zombie habe ich zuletzt mit seiner Combo White Zombie auf der Bühne erleben dürfen – allerdings in so grauer Vorzeit, dass das fast nicht mehr gilt – und Herrn Manson vor vielen Jahren auf einem Festival – einfach nicht das richtige Umfeld. Doch der frühe Vogel … schacka!
Und damit hat das Zenith mich wieder, obwohl ich doch fast geschworen hatte, dort aufgrund des katastrophalen Sounds nie wieder einen Fuß reinzusetzen (oder sollte ich besser schreiben: ein Ohr …?).



Aus genau den Erfahrungen gewinnt bei der Abwägung guter Sound vs. gute Sicht letztere, und ich schlage mich im sehr gut gefüllten Zenith bis ganz nach Vorne durch – nicht in die ersten Reihen vor die Bühne, sondern eher am Rand, mit einem kolossal guten Ausblick auf das Bühnengeschehen (einzig der Gesamteindruck leidet natürlich). Dafür soll das im Verlauf des weiteren Geschehens auch nicht von Nachteil sein …

Bei derart vielen Menschen, und dem oben bereits angesprochenen propagierten Programm, bin ich doch ein wenig erstaunt über die "bunte Menge". Noch vor einigen Jahren sind beide Herren alles andere als salonfähig gewesen, scheinbar haben sie aber über die Jahre ein wenig an Schock-Effekt verloren.

Doch Marilyn Manson ziehen ihren Stiefel durch: der Sound ist fett (soweit ich das beurteilen kann – es wummert ordentlich), Herr Manson wechselt mal um mal Klamotte und/oder Accessoires und wirft uns ein buntes Podpourri aus Neuem und alten Krachern um die Ohren. Hatte ich noch bei einem Auftritt im Deutschen Fernsehen vor einiger Zeit den fixen Gedanken, dass der Herr auch nicht jünger wird, so straft er mcih an diesem Abend gedanklicher Lügen: turnt über die Bühne, klettert auf die "Kanzel" … ja, und auch die offensichtlichen Anspielungen und Angriffe auf gesellschaftliches Tun dürfen natürlich nicht fehlen.
Wie bereits eingangs erwähnt, haben Marilyn Manson über die Jahre sicher einiges an Zugkraft, an Außergewöhnlichem verloren, aber allein, um einen Großteil der neuen Songs einmal als Live-Performance erleben zu dürfen, dafür hat es sich gelohnt!

Doch Rob Zombie mit seinen Mannen sollte das Ganze noch toppen: der Sound war noch ne Runde brachialer, die gebotene Show noch durchkonzipierter und aufwändiger. Es vergeht kein Song, da nicht irgendein überdimensioniertes Tool über die Bühne wackelt, als Podest dient oder einfach zur Komplettierung der Optik dient. Das alles begleitet von Filmsequenzen, die dem Titel der Tour und den vielfach anderweitig verliehenen der Mannen, alle Ehre machen: dort ziehen Massenmörder über die Leinwände und sonstige Horrorszenarien.
Der Mann mit dem Zugewachsenen Gesicht, den Dreadlocks und der – wie soll man das anders nennen – optischen Horror-Hippie-Attitüde gibt alles, und lässt es sich nicht nehmen, neben den Krachern seines Schaffens, dem auch Publikum einen persönlichen Besuch abzustatten.
Womit wir wieder zu meiner – scheinbar strategisch extrem günstigen – Standortwahl kommen: habe ich mir doch genau den Ort ausgesucht, an dem Rob Zombie – begleitet von einigen Security-Hühnen und mit einer Lampe bewaffnet – von der Bühne und mir fast auf die Füße steigt, um außen ums Publikum zu wandeln: rauf auf den Bartresen, und ab geht die Reise, einmal um die Menschenmenge im Zenith drumrum. (Der Herr ist wesentlich kürzer geraten, als das gemein hin auf der Bühne den Eindruck vermittelt :)

Insgesamt hat mich der Abend so dermaßen geflasht, dass ich kaum in der Lage bin, weitere Einzelheiten Kund zu tun. Klar, das ist eine andere Dimension und Liga, als die (kleinen) Club-Konzerte, denen ich mich in den letzten Jahren verschrieben habe, aber hierfür hat es sich definitiv gelohnt, ein paar Prinzipien über den Haufen zu werfen, auf die familiere Atmosphäre zu verzichten, und einfach nur einer grandiosen Show beizuwohnen!